Vereinbarkeitsorientierte Führung. Was Führungskräfte dazu wissen müssen.
Oder: Schon wieder ein neuer Führungs-Trend?
Kein Trend, sondern etwas ganz normales. Denn in einer Arbeitswelt, die zunehmend von Agilität, Homeoffice und New-Work-Konzepten geprägt ist, der wird als Führungskraft um das Thema „Vereinbarkeit“ nicht drumrum kommen.
Mit Blick auf den Generationenwechsel geht es nicht nur um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sondern generell die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
Vereinbarkeitsorientierte Führung betrifft daher jede Führungskraft für alle im Team. Für die einen ist es mehr oder weniger wichtig wie für die anderen. Dennoch bleibt es ein Thema, da es viele Facetten hat und zum Leben gehört.
Was ist vereinbarkeitsorientierte Führung überhaupt?
Vereinbarkeitsorientierte Führung geht weit über das bloße Ermöglichen von Work-Life-Balance hinaus. Es ist ein Ansatz, der darauf abzielt, individuelle Lebensrealitäten der Mitarbeitenden mit den Zielen des Unternehmens in Einklang zu bringen. Dabei stehen Fragen wie diese im Mittelpunkt:
Wie kann ich als Führungskraft flexibel auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen, ohne den Fokus auf die Teamziele zu verlieren?
Wie können wir als Unternehmen Vereinbarkeit wirklich leben und es nicht nur auf dem Papier stehen haben, weil es gerade mal schick erscheint?
Was braucht mein Team, um leistungsfähig und gleichzeitig zufrieden zu sein?
Welche strukturellen oder kulturellen Hürden muss ich als Führungskraft abbauen, um Vereinbarkeit zu fördern?
Kurz gesagt: Vereinbarkeitsorientierte Führung ist die Kunst, Arbeitsmodelle und Teamstrukturen so zu gestalten, dass individuelle und kollektive Bedürfnisse in Balance bleiben – ohne dabei ausschließlich Kompromisse bei Leistung oder Zielerreichung einzugehen.
Straight forward: Führung hat immer auch etwas mit Angst und Unsicherheit zu tun.
Jede Führung, aber vor allem etwas wie vereinbarkeitsorientierte Führung erfordert Mut – und genau hier liegt oft die Hürde. Viele Führungskräfte haben Ängste, die tief mit ihrer Rolle und ihren Verantwortlichkeiten verbunden sind. Hier sind einige der häufigsten im Kontext:
Verlust der Kontrolle:
Vereinbarkeitsorientierung bedeutet, Verantwortung abzugeben und flexiblere Arbeitsmodelle zuzulassen. Manche Führungskräfte fürchten, dass sie dadurch an Einfluss verlieren oder die Teamstruktur leidet. ,,Wie behalte ich die Kontrolle, wenn mehr von woanders aus gearbeitet wird.‘‘Ungerechtigkeit im Team:
Individuelle Lösungen für Mitarbeitende – wie flexible Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle oder Sonderregelungen – können als Ungleichbehandlung wahrgenommen werden. Die Angst vor Konflikten im Team hält manche Führungskräfte davon ab, diese Entscheidungen zu treffen. ,,Wie soll ich für einen entscheiden, wenn es letztlich alle betrifft.‘‘Leistungsverlust:
Wie bleibt die Produktivität erhalten, wenn ich Mitarbeitenden mehr Freiräume gebe? Diese Frage beschäftigt viele, insbesondere in leistungsorientierten Unternehmen. ,,Wie kann ich unsere Ziele erreichen, wenn gefühlt niemand da ist.‘‘Eigene Grenzen:
Führungskräfte sind selbst Menschen mit privaten und beruflichen Herausforderungen. Oft fragen sie sich: „Wie soll ich Vereinbarkeit im Team fördern, wenn ich selbst an meinen Grenzen stehe?“Unsicherheit:
Nicht nur bezogen auf die Entscheidung selbst und ob diese gut ist, sondern auch bezogen auf das, was bspw. die eigene Führungskraft bzw. Kollegen erwarten und denken. ,,Wie werde ich von anderen wahrgenommen?‘‘
Warum Reflexion der Schlüssel ist.
Die Antwort auf diese Ängste und Unsicherheiten liegt in der Selbstreflexion. Eine reflektierte Führungskraft kennt nicht nur die Bedürfnisse ihres Teams, sondern auch die eigenen Stärken, Schwächen und Vorurteile.
Selbsterkenntnis: Nur wer die eigenen Annahmen, Ängste und Unsicherheiten erkennt, kann bewusst handeln, statt impulsiv oder gar nicht zu reagieren.
Bewusste Entscheidungen: Reflexion hilft, Antworten und Lösungen zu finden, die win-win-Situationen kreieren. Also auch im Einklang mit den Unternehmenszielen stehen.
Empathie und Verständnis: Reflexion schärft die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und deren Perspektiven besser zu verstehen. Und zwar von allen Betroffenen.
Was bedeutet situative Führung in diesem Kontext?
Situative Führung ist der Schlüssel zur Vereinbarkeitsorientierung. Sie bedeutet, dass Führungskräfte flexibel auf verschiedene Situationen und Bedürfnisse eingehen – ohne dabei übergeordnete Anforderungen aus den Augen zu verlieren.
Flexibilität im Führungsstil: Situative Führung bedeutet, den Führungsstil und Entscheidungen an die jeweilige Person und Situation anzupassen. Mitarbeitende dürfen bedürfnisorientiert geführt werden.
Individuelle Lösungen: In der Praxis kann das bedeuten, dass ein Mitarbeitender aufgrund familiärer Verpflichtungen temporär weniger Stunden arbeitet, während ein Kollege durch zusätzliche Projekte gefördert wird.
Klare Kommunikation: Um Ungleichbehandlung bzw. Konflikte im Team zu vermeiden, müssen Führungskräfte ihre Entscheidungen transparent und nachvollziehbar erklären. Oft geht es nicht um die Entscheidung per se, sondern um die Nachvollziehbarkeit.
Wie trifft man gute Entscheidungen für Sondersituationen?
Die Herausforderung von vereinbarkeitsorientierter Führung liegt oft darin, Entscheidungen für individuelle Sondersituationen zu treffen – sei es ein Elternzeitmodell, flexible Arbeitszeiten oder die Rücksichtnahme auf persönliche Krisen. Hier einige Ansätze:
Offener Dialog:
Gute Entscheidungen entstehen im Gespräch. Führungskräfte sollten aktiv zuhören, die Perspektive der Mitarbeitenden verstehen und gemeinsam nach Lösungen suchen.Klar definierte Werte:
Reflexion über die eigenen Werte und die Unternehmenskultur hilft, Entscheidungen zu treffen, die konsistent und fair sind.Abwägung von Interessen:
Vereinbarkeit darf nicht zu Lasten der Teamleistung gehen. Führungskräfte müssen lernen, zwischen individuellen Bedürfnissen und Teamzielen zu balancieren.Mut zur Einzelfallentscheidung:
Vereinbarkeitsorientierung erfordert den Mut, individuelle Lösungen zu finden und zu vertreten – auch wenn diese nicht immer ins Standardmodell passen. Wer weiß, vielleicht entsteht ja so auch eine neue Standardlösung.
Fazit: Vereinbarkeit braucht reflektierte Führung.
Vereinbarkeitsorientierte Führung ist keine Checkliste, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Es erfordert von Führungskräften, ihre eigenen Ängste zu hinterfragen, situativ zu agieren und Entscheidungen zu treffen, die sowohl individuell als auch teamorientiert sind.
Nur wer reflektiert führt, schafft eine Kultur, in der Vereinbarkeit nicht als Belastung, sondern als Stärke wahrgenommen wird. Und das zahlt sich aus: durch zufriedenere Mitarbeitende, eine stärkere Bindung ans Unternehmen und letztlich bessere Ergebnisse. Sie zahlt sich auch im War for Talents aus. Denn eine starke Unternehmenskultur mit reflektierten Führungskräften zieht Talente an.
Vereinbarkeitsorientierung ist mehr als ein Trend – es ist die Gegenwart und die Zukunft sowieso.
Und jetzt Du!
Wie geht es dir mit dem Thema vereinbarkeitsorientierte Führung?
Wo siehst du deine größten Herausforderungen im Kontext?
Was könnten deine ersten Schritte sein?
Wenn du Antworten oder Lösungen zu diesen Fragen brauchst, dann melde dich bei mir.
Schreib mir gerne oder buche dir direkt einen Kennenlerntermin mit mir.
Liebe Grüße,
Diana